ENNSTAL-CLASSIC 2009

30-05-10

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Bericht von Christian M. & Isabella B. für den JDOST von der diesjährigen Ennstal-Classic 2009.

!!! Ennstal-Classic - Autofahren im letzten Paradies !!!

 Dieser inoffizielle Titel der Ennstal Classic, oder auch nur kurz ‚Die
 Ennstal’ genannt, beschreibt das Erlebte in wenigen Worten.

 Für uns war es heuer das erste Mal; als wir letztes Jahr zum sage und
 schreibe 10. Mal zum Zuschauen angereist waren, haben wir uns zum Ziel
 gesetzt: das ist das letzte Mal, wo wir am Straßenrand, bei einem
 Etappenziel oder am Start stehen und bewundernd den Teilnehmern zu winken,
 nächstes Jahr sind wir dabei! Und wirklich, auf die Anmeldung im Februar
 haben wir eine Zusage bekommen, hauptsächlich wegen unseres - für die
 Ennstal doch eher ungewöhnlichen Autos, eines Jaguar 420 G. Neben
 Prominenz ist ein außergewöhnliches Auto eine sehr wahrscheinliche Eintrittskarte
 zur Ennstal. Eine Startzusage für diese exklusive Rallye zu bekommen ist
 schon ein Erfolg.

 Wir haben uns also mechanische Stoppuhren, Schnitttabellen, eine Stirnlampe
 für die Abendetappe und das nötige theoretische Wissen besorgt; einen
 unbedingt zu empfehlenden mechanischen Wegstreckenzähler (z.B. Halda
 Twinmaster) hatten wir leider nicht an Bord.

 Eine Woche vor der Ennstal - die Nervosität stellte sich langsam ein -
 hatten wir noch eine Motorreparatur zu erledigen, denn eine Diagnose von Wolfgang S.
 vor einigen Wochen ging mir nicht mehr aus dem Kopf: keine Kompression im
 ersten Zylinder! Eine eindeutige Schadensdiagnose war nicht möglich, so
 haben wir auf ein schadhaftes Ventil getippt und eine Werkstätte mit der
 Reparatur beauftragt. Ohne die große Hilfe von Siegbert S., der natürlich
 alle nötigen Teile im heimischen Fundus vorrätig hatte und uns auch
 bereitwillig zur Verfügung stellte, sowie der schnellen und kompetenten
 Hilfe der Werkstätte Walter Billiscich wäre die Ennstal für uns hier
 bereits zu Ende gewesen. Freitagabend war das Auto dann fertig.

 Am Montag früh wurde das Auto verladen und zur Ennstal gebracht - ein
 übrigens sehr zu empfehlender Service, Inklusive technischer Abnahme, die
 das Auto problemlos absolvierte. Zum best of Show hat es trotzdem nicht
 gereicht...

 Dem Eröffnungsabend am Mittwoch mit den üblichen Reden folgte am
 Donnerstag früh das Abfahren der Kalibrierungsstrecke: unser Tacho hat
 2,1% Abweichung. Diesen Wert müssen wir bei jeder km Angabe
 berücksichtigen, sprich alles umrechnen. Gleiches gilt für die
 Schnitttabellen, die um diesen Wert korrigiert werden müssen. Mit einem
 mechanischen Wegstreckenzähler wäre das ein wenig einfacher.

 Es ist soweit: Startaufstellung Donnerstag ab 10 Uhr. Wir sind zu viert im
 Auto, hinter Isabella und mir nehmen mein über siebzig Jahre alter Vater
 und meine Schwester Platz. Über 200 hochkarätige Oldtimer stellen sich
 auf der mehrere 100m langen Geraden von Start und Ziel auf und bereiten
 sich auf den Start vor. Emsiges Treiben, viele Piloten/innen,
 Copiloten/innen, noch mehr Zuschauer, startende Motoren, hier und da
 werden noch letzte Checks gemacht, noch mal schnell nach dem Öl geschaut, da noch
 hektisch eine letzte kleine Reparatur gemacht. Von einem Kollegen hören wir, an seinem Auto wurde noch bis vier Uhr in der Früh geschraubt. Die
 Luft riecht bleischwer und ölverschmiert, genauso wie wir es lieben.
 Roadbookausgabe ca. eine halbe Stunde vor dem Start. Jetzt wird’s stressig
 für uns: wir müssen die Umrechnungen unserer Tachoabweichung ins
 Roadbook eintragen, da wir ja keinen Wegstreckenzähler haben, sonst würden wir
 uns gleich verfahren. Die Anspannung steigt. Noch zwei Autos vor uns, noch
 eines, nun werden wir aufgerufen: Startnummer 164. Auffahrt auf die Bühne
 und Start! Wir fahren Ennstal!

 Nach dem Start nur eine kurze Verbindungsetappe zur ersten Sonderprüfung:
 die Stoderzinken Bergwertung. 8,5 km mit einer Sollzeit, die ca. 47 km/h
 entspricht - steil bergauf, auf schmalen Strassen. Mit unserem schweren
 Auto, gepaart mit einer kräfteraubenden 3-Gang Automatik, die immer das
 richtige Übersetzungsverhältnis vermissen lässt haben wir trotz
 durchaus ambitionierter Fahrweise keine Chance die Sollzeit auf den Berg zu
 schaffen. Wir enden mit knapp 20 Sekunden Überzeit, sprich unserem ersten
 1000er - das Maximum an Strafpunkten - egal, die Fahrt auf den Stoder ist
 ein Erlebnis und ein Paukenschlag zu Beginn: Überall Zuschauer, die uns
 zuwinken und anfeuern. Oben, auf dem Plateau angekommen werden wir
 überwältigt von der Szenerie: das gesamte Starterfeld versammelt hier auf
 dem Gipfel des Stoderzinken inmitten dieses Alpenpanorama. Wo gibt es
 sowas noch mal?

 Eine recht lange Mittagsrast, bei der man sich für den Rest des Tages
 vorbereite, man sich ungestört mit den Kollegen unterhalten oder man sich
 einfach in die Wiese legt, und die wunderbare Aussicht und den tollen Tag
 genießen kann. Es werden die letzten Stunden des unbedarften Seelebaumelns
 während der Veranstaltung sein, für den Rest ist das zeitliche Programm
 recht dicht und bei den Etappenzielorten bleibt nicht allzu viel Zeit.

 Die ersten Autos sind bereits bergab gestartet und es wird auch für uns
 wieder Zeit uns auf den Start vor zu bereiten. Bergab ist die Sollzeit mit
 17 Minuten wesentlich entspannter und sollte für keinen der Teilnehmer
 ein Problem darstellen. Dass wir mit 910 Punkten trotzdem nahe dem
 Strafpunktemaximum landeten, lag einzig an einem Rechenfehler von mir in
 der Vorbereitung; das sind die Fehler, die man beim ersten mal macht und
 man wohl unter Lehrgeld abspeichern muss, was soll’s, diesen Fehler machen
 wir im nächsten Jahr sicher nicht mehr (dafür dann wahrscheinlich wieder
 andere...).

 Bei der Ennstal wird übrigens nach jeder SP (Sonderprüfung) eine SMS mit
 der erreichten Punkteanzahl an ein vom Veranstalter gesponsertes Handy
 gesendet - ein wirklich toller Service, da man natürlich unmittelbar
 nach der SP  mit frischer Erinnerung noch weiß, was man verbockt hat.
 Weiter geht es zur 3. SP am Flughafen Niederoeblarn, wo eine definierte
 Strecke in einer Sollzeit zu absolvieren ist. Bei der integrierten
 Topspeed Wertung auf der Gegengeraden haben wir zwar keinen Pokal gemacht,
 dafür bei der Sollzeitprüfung mit 105 Punkten ein erstes achtbares
 Ergebnis erzielt. Nach diesem ersten Showdown mit drei SP’s innerhalb weniger km ging es nun
 ein wenig stressfreier weiter. Auf wunderschönen Nebenstrecken ging es
 Richtung Radstädtertauern - dass wir bei der einen SP auf dieser Etappe
 den nächsten 1000er aufgrund einer unglücklichen Verkettung mehrerer
 Fehler eingefangen haben, sei hier nur am Rande erwähnt.

 Mit Ausnahme der drei SP’s zu Beginn und zwei weiterer sind übrigens alle
 SP’s mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 50 km/h zu fahren, wobei
 dies mit geheimen Lichtschranken gemessen wird. Bei einer SP Länge von
 bis zu 25 km kann der Beifahrer schon mal einen trockenen Hals bekommen.
 Weiter geht’s über Katschberg, Nockalmstrasse, Ebene Reichenau und
 Soelkpass zurück nach Groebming. Diese Fahrt kann man nur als großartiges
 Spektakel,  als Erlebnis zwischen Mensch, Natur und Maschine beschreiben:
 einzigartig und unglaublich. Dass diese alten Autos solche Herausforderung
 Jahr für Jahr auf sich nehmen und - mit wenigen Ausnahmen an technischen
 Defekten - auch bewältigen ist wahrlich beeindruckend. Passtrassen, wie
 die oben genannten, sind auch nach modernen Gesichtspunkten eine
 Challenge, geschweige denn für 40 Jahre alte und zum Teil Vorkriegstechnik.

 Kurz vor Groebming - es ist bereits nach 22 Uhr und stockdunkel versammeln
 wir uns noch mal zur letzten SP, eine Sollzeit ist zu fahren mit Ziel in
 Groebming. Die Stirnlampe wird aufgeschnallt und wir starten. Wir sind gut
 in der Zeit, sogar mit Reserve. Wir visieren den Zielbogen an, reduzieren
 Fahrt und liegen perfekt im Zeitplan für die Durchfahrt, als wir
 bemerken, dass das von uns für das Ziel gehaltene Ziel nicht das wirkliche Ziel
 ist, dies liegt ca. 150m dahinter - sch...ade!  Wir geben also noch mal kräftig
 Gas und haben wieder mal unnötige Punkte gesammelt.... Die Einfahrt in
 Groebming ist trotzdem wieder mal ein Erlebnis. Trotz der späten Stunde
 stehen unzählige Menschen im Zielbereich und erwarten uns.

 Wir haben den ersten Tag mit all seinen Anstrengungen geschafft,
 unfallfrei und pannenfrei.  Bei zwei SP’s haben wir sogar unter 100 Strafpunkten
 kassiert, das entspricht einer Abweichung von weniger als einer Sekunde,
 und das ohne Twinmaster und mit diesem Auto, das macht doch ein wenig
 stolz und Hoffnung auf mehr. Wegen einiger verpatzter (siehe oben) oder aufgrund
 des Autos nicht schaffbaren SP’s  ist unser Zwischenergebnis nach dem
 ersten Tag Platz 154, naja. Ein kurzes Abendessen im Zelt und dann ab ins
 Bett, morgen wartet der Marathon auf uns.

 Um sieben Uhr startet das erste Auto. Wir müssen noch die diversen
 Befindlichkeiten unseres Autos checken, Flüssigkeiten nachfüllen,
 Sichtkontrolle der Aggregate, etc. Um 8:22 ist unser Start. Schon ein wenig
 routinierter als gestern gehen wir auf die Strecke.

 Wir fahren wieder den Solkpass, dieses Mal in umgekehrter Richtung. Weiter
 geht es Murabwärts, kurzer Stop beim Stift Sekkau weiter über Leoben, den
 Praebichl, Weyer nach Steyr. Auf einer SP vor dem Etappenziel Steyr sehen
 wir leider auch die Resultate der beiden Unfälle der Ennstal 2009, beide
 Gott Sie Dank ohne Verletzungen. Die beiden Autos, ein Aston Martin DB6,
 sowie ein 911er S Targa sind allerdings Schrott. Ein unachtsamer
 Verkehrsteilnehmer, der den Nachrang missachtet hatte, sowie Rollsplitt und
 in weiterer Folge ein Brückenpfeiler aus Beton waren die Ursachen.

 Die betreffende SP wird in der Folge annulliert, genau wie die letzte für
 diesen Tag geplante über die Postalm, die wegen Unwetter abgesagt wird.
 Bei den bergauf SP’s hatten wir wie gestern keine wirkliche Chance den
 Schnitt von 50 km/h zu schaffen, dafür gelingt uns dies bei jenen in der
 Ebene oder bergab schon ganz gut. Weitere SP’s mit Ergebnissen unter 100
 Punkten kommen heute dazu.

 Nach Steyr geht es weiter über den Phyrnpass, Bad Aussee nach Bad Ischl,
 wo wir vom Regen erwischt werden und nun sehen, warum die SP über die
 Postalm abgesagt wurde: ein vorbeigezogener Sturm. Die Etappe über die
 Postalm ist hingegen wieder befahrbar. In all den Etappenzielen in den
 oben genannten Städten werden wir von einer begeisterten Menge empfangen.

 Die Postalm ist die letzte Etappe auf diesem Marathon heute. Die Strasse
 windet sich noch ein letztes Mal Kehre um Kehre bergauf. Die Automatik im
 ersten Gang gesperrt, werden unsere über 2 Tonnen Lebendgewicht von
 unserem Motor tapfer nach oben gezogen, während wir von vielen leichteren
 und schnelleren Kollegen in den Bergaufpassagen regelrecht verblasen
 werden. Das landschaftliche Erlebnis ist trotzdem unbeschreiblich, mit
 unserer Limousine sehr bequem zugänglich gemacht, vielleicht doch das
 perfekte Rallyeauto?

 Wir nähern uns Schladming, es dämmert bereits wieder, halb neun. Die
 größte Menschenmenge in diesen Tagen bereitet uns einen gewaltigen
 Empfang. Walter Zipser, der Moderator zitiert bereits zum wiederholten
 Male den Originalzustand unseres Autos und dass wir ihn bitte nie lackieren
 lassen sollten. Der von Walter am Dach entdeckte ‚ Original Vogeldreck aus
 dem 68er Jahr’ wird zum running gag.

 Platz 109 am zweiten Tag, damit in der Gesamtwertung auf Platz 134
 verbessert, schon besser, in der haetti wari Wertung haben wir uns damit
 schon einen Platz unter den Top 100 ausgerechnet...

 Überglücklich den 2. Tag der Ennstal unbeschadet überstanden zu haben -
 immerhin gehörte eines der beiden Unfallfahrzeugen Freunden von uns,
 denen der Schock noch tief in den Knochen steckte - begeben wir uns zum
 Abendempfang im Gasthaus zur Post in Schladming. Es gibt viel zu erzählen
 zwischen den Teilnehmern; jeder berichtet über die eine verpasste SP hier
 oder über ein anderes Erlebnis da. Eigentlich möchte man sich mit Allen
 unterhalten und austauschen aber dafür ist der Abend leider viel zu kurz.

 Am letzten Tag, Samstag können wir uns ein wenig ausschlafen, um 10:00
 sollen wir unsere Autos an den Start bringen. Leider ist über Nacht eine
 Schlechtwetterfront über das Ennstal hereingezogen - 4 Grad und Regen!!!
 Um 13 Uhr beginnt die Rennwagenparade, danach Start zum Schlusspunkt der
 Ennstal 2009: der Stadt Grand Prix von Groebming: 3 SP’s auf knapp über
 einem km. Mit netten Kollegen verbringen wir die Zeit bis zum Start. Auf
 Grund der schlechten Witterungsverhältnisse werden die drei Sollzeiten
 nach oben korrigiert, es gibt also auch für uns keinerlei Probleme mit
 dem Erreichen der Sollzeiten. Wir schaffen alle drei SP’s unter je 100
 Punkten, eine sogar mit nur 5 Punkten, unser besonderer Stolz.

 Am Ende sind wir am letzten Tag auf Platz 63 gelandet, und können uns noch auf Gesamtrang
 118 verbessern, wir sind zufrieden, sehen aber für das nächste Jahr
 natürlich ganz objektiv noch Verbesserungspotential. Den Nachmittag/Abend
 verbringen wir mit Alice/Wolfgang/David und Raphael-Wolfgang, die uns hier besucht haben.

 Samstagabend ist die ‚Night of Champions’ im Festzelt mit Siegerehrungen
 in vielen Disziplinen, leider ohne die des schwersten und mit den meisten
 Mitfahrenden Autos, da hätten wir sicher gute Chancen auf einen Pokal
 gehabt. Wir lernen noch sehr nette Kollegen kennen und der Abend dauert
 noch recht lange....

 Als Schluss Ressume gilt uns nur zu sagen: eine einmalige Veranstaltung in
 einer wunderbaren Landschaft, eine in dieser Dichte in Europa sicher selten
 anzutreffenden Ansammlung von hochkarätigen Oldtimern (inklusiver einiger
 Autos aus Werksmuseen), sowie natürlich am wichtigsten: vielen sehr netten
 Menschen, mit denen wir viele unvergessliche Stunden erleben durften.

 Für uns wird dieser Termin für das nächste Jahr schon jetzt fix
 eingetragen, wir kommen wieder, nächstes Jahr aber mit einem schnelleren
 Auto, wir wollen nicht nur in der haetti wari Wertung unter die Top 100.

 Lg Isabella & Christian

 PS: Nachfolgend noch ein nicht ganz Ernst zu nehmendes Zitat von zwei sehr
 netten Kolleginnen, die mit ihrem Jaguar leider mehr Probleme hatten: Gott
 schütze vor Regen und Wind und Autos, die aus England sind.

 Hier noch ein paar Bilder/Eindrücke der Ennstal 2009

 

 

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Stand: 24.08.09