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Bericht von Christian M. &
Isabella B. für den JDOST von der diesjährigen Ennstal-Classic 2009.
!!! Ennstal-Classic -
Autofahren im letzten Paradies !!!
Dieser inoffizielle Titel der Ennstal Classic, oder auch nur kurz ‚Die
Ennstal’ genannt, beschreibt das Erlebte in wenigen Worten.
Für uns war es heuer das erste Mal; als wir letztes Jahr zum sage und
schreibe 10. Mal zum Zuschauen angereist waren, haben wir uns zum Ziel
gesetzt: das ist das letzte Mal, wo wir am Straßenrand, bei einem
Etappenziel oder am Start stehen und bewundernd den Teilnehmern zu
winken,
nächstes Jahr sind wir dabei! Und wirklich, auf die Anmeldung im
Februar
haben wir eine Zusage bekommen, hauptsächlich wegen unseres - für die
Ennstal doch eher ungewöhnlichen Autos, eines Jaguar 420 G. Neben
Prominenz ist ein außergewöhnliches Auto eine sehr wahrscheinliche
Eintrittskarte
zur Ennstal. Eine Startzusage für diese exklusive Rallye zu bekommen
ist
schon ein Erfolg.
Wir haben uns also mechanische Stoppuhren, Schnitttabellen, eine
Stirnlampe
für die Abendetappe und das nötige theoretische Wissen besorgt; einen
unbedingt zu empfehlenden mechanischen Wegstreckenzähler (z.B. Halda
Twinmaster) hatten wir leider nicht an Bord.
Eine Woche vor der Ennstal - die Nervosität stellte sich langsam ein -
hatten wir noch eine Motorreparatur zu erledigen, denn eine Diagnose
von Wolfgang S.
vor einigen Wochen ging mir nicht mehr aus dem Kopf: keine Kompression
im
ersten Zylinder! Eine eindeutige Schadensdiagnose war nicht möglich, so
haben wir auf ein schadhaftes Ventil getippt und eine Werkstätte mit
der
Reparatur beauftragt. Ohne die große Hilfe von Siegbert S., der
natürlich
alle nötigen Teile im heimischen Fundus vorrätig hatte und uns auch
bereitwillig zur Verfügung stellte, sowie der schnellen und kompetenten
Hilfe der Werkstätte Walter Billiscich wäre die Ennstal für uns hier
bereits zu Ende gewesen. Freitagabend war das Auto dann fertig.
Am Montag früh wurde das Auto verladen und zur Ennstal gebracht - ein
übrigens sehr zu empfehlender Service, Inklusive technischer Abnahme,
die
das Auto problemlos absolvierte. Zum best of Show hat es trotzdem nicht
gereicht...
Dem Eröffnungsabend am Mittwoch mit den üblichen Reden folgte am
Donnerstag früh das Abfahren der Kalibrierungsstrecke: unser Tacho hat
2,1% Abweichung. Diesen Wert müssen wir bei jeder km Angabe
berücksichtigen, sprich alles umrechnen. Gleiches gilt für die
Schnitttabellen, die um diesen Wert korrigiert werden müssen. Mit einem
mechanischen Wegstreckenzähler wäre das ein wenig einfacher.
Es ist soweit: Startaufstellung Donnerstag ab 10 Uhr. Wir sind zu viert
im
Auto, hinter Isabella und mir nehmen mein über siebzig Jahre alter
Vater
und meine Schwester Platz. Über 200 hochkarätige Oldtimer stellen sich
auf der mehrere 100m langen Geraden von Start und Ziel auf und bereiten
sich auf den Start vor. Emsiges Treiben, viele Piloten/innen,
Copiloten/innen, noch mehr Zuschauer, startende Motoren, hier und da
werden noch letzte Checks gemacht, noch mal schnell nach dem Öl
geschaut, da noch
hektisch eine letzte kleine Reparatur gemacht. Von einem Kollegen hören
wir, an seinem Auto wurde noch bis vier Uhr in der Früh geschraubt. Die
Luft riecht bleischwer und ölverschmiert, genauso wie wir es lieben.
Roadbookausgabe ca. eine halbe Stunde vor dem Start. Jetzt wird’s
stressig
für uns: wir müssen die Umrechnungen unserer Tachoabweichung ins
Roadbook eintragen, da wir ja keinen Wegstreckenzähler haben, sonst
würden wir
uns gleich verfahren. Die Anspannung steigt. Noch zwei Autos vor uns,
noch
eines, nun werden wir aufgerufen: Startnummer 164. Auffahrt auf die
Bühne
und Start! Wir fahren Ennstal!
Nach dem Start nur eine kurze Verbindungsetappe zur ersten
Sonderprüfung:
die Stoderzinken Bergwertung. 8,5 km mit einer Sollzeit, die ca. 47
km/h
entspricht - steil bergauf, auf schmalen Strassen. Mit unserem schweren
Auto, gepaart mit einer kräfteraubenden 3-Gang Automatik, die immer das
richtige Übersetzungsverhältnis vermissen lässt haben wir trotz
durchaus ambitionierter Fahrweise keine Chance die Sollzeit auf den
Berg zu
schaffen. Wir enden mit knapp 20 Sekunden Überzeit, sprich unserem
ersten
1000er - das Maximum an Strafpunkten - egal, die Fahrt auf den Stoder
ist
ein Erlebnis und ein Paukenschlag zu Beginn: Überall Zuschauer, die uns
zuwinken und anfeuern. Oben, auf dem Plateau angekommen werden wir
überwältigt von der Szenerie: das gesamte Starterfeld versammelt hier
auf
dem Gipfel des Stoderzinken inmitten dieses Alpenpanorama. Wo gibt es
sowas noch mal?
Eine recht lange Mittagsrast, bei der man sich für den Rest des Tages
vorbereite, man sich ungestört mit den Kollegen unterhalten oder man
sich
einfach in die Wiese legt, und die wunderbare Aussicht und den tollen
Tag
genießen kann. Es werden die letzten Stunden des
unbedarften Seelebaumelns
während der Veranstaltung sein, für den Rest ist das zeitliche Programm
recht dicht und bei den Etappenzielorten bleibt nicht allzu viel Zeit.
Die ersten Autos sind bereits bergab gestartet und es wird auch für uns
wieder Zeit uns auf den Start vor zu bereiten. Bergab ist die Sollzeit
mit
17 Minuten wesentlich entspannter und sollte für keinen der Teilnehmer
ein Problem darstellen. Dass wir mit 910 Punkten trotzdem nahe dem
Strafpunktemaximum landeten, lag einzig an einem Rechenfehler von mir
in
der Vorbereitung; das sind die Fehler, die man beim ersten mal macht
und
man wohl unter Lehrgeld abspeichern muss, was soll’s, diesen Fehler
machen
wir im nächsten Jahr sicher nicht mehr (dafür dann wahrscheinlich
wieder
andere...).
Bei der Ennstal wird übrigens nach jeder SP (Sonderprüfung) eine SMS
mit
der erreichten Punkteanzahl an ein vom Veranstalter gesponsertes Handy
gesendet - ein wirklich toller Service, da man natürlich unmittelbar
nach der SP mit frischer Erinnerung noch weiß, was man verbockt hat.
Weiter geht es zur 3. SP am Flughafen Niederoeblarn, wo eine definierte
Strecke in einer Sollzeit zu absolvieren ist. Bei der integrierten
Topspeed Wertung auf der Gegengeraden haben wir zwar keinen Pokal
gemacht,
dafür bei der Sollzeitprüfung mit 105 Punkten ein erstes achtbares
Ergebnis erzielt. Nach diesem ersten Showdown mit drei SP’s innerhalb
weniger km ging es nun
ein wenig stressfreier weiter. Auf wunderschönen Nebenstrecken ging es
Richtung Radstädtertauern - dass wir bei der einen SP auf dieser Etappe
den nächsten 1000er aufgrund einer unglücklichen Verkettung mehrerer
Fehler eingefangen haben, sei hier nur am Rande erwähnt.
Mit Ausnahme der drei SP’s zu Beginn und zwei weiterer sind übrigens
alle
SP’s mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 50 km/h zu fahren,
wobei
dies mit geheimen Lichtschranken gemessen wird. Bei einer SP Länge von
bis zu 25 km kann der Beifahrer schon mal einen trockenen Hals
bekommen.
Weiter geht’s über Katschberg, Nockalmstrasse, Ebene Reichenau und
Soelkpass zurück nach Groebming. Diese Fahrt kann man nur
als großartiges
Spektakel, als Erlebnis zwischen Mensch, Natur und Maschine
beschreiben:
einzigartig und unglaublich. Dass diese alten Autos solche
Herausforderung
Jahr für Jahr auf sich nehmen und - mit wenigen Ausnahmen an
technischen
Defekten - auch bewältigen ist wahrlich beeindruckend. Passtrassen, wie
die oben genannten, sind auch nach modernen Gesichtspunkten eine
Challenge, geschweige denn für 40 Jahre alte und zum Teil
Vorkriegstechnik.
Kurz vor Groebming - es ist bereits nach 22 Uhr und stockdunkel
versammeln
wir uns noch mal zur letzten SP, eine Sollzeit ist zu fahren mit Ziel
in
Groebming. Die Stirnlampe wird aufgeschnallt und wir starten. Wir sind
gut
in der Zeit, sogar mit Reserve. Wir visieren den Zielbogen an,
reduzieren
Fahrt und liegen perfekt im Zeitplan für die Durchfahrt, als wir
bemerken, dass das von uns für das Ziel gehaltene Ziel nicht das
wirkliche Ziel
ist, dies liegt ca. 150m dahinter - sch...ade! Wir geben also noch mal
kräftig
Gas und haben wieder mal unnötige Punkte gesammelt.... Die Einfahrt in
Groebming ist trotzdem wieder mal ein Erlebnis. Trotz der späten Stunde
stehen unzählige Menschen im Zielbereich und erwarten uns.
Wir haben den ersten Tag mit all seinen Anstrengungen geschafft,
unfallfrei und pannenfrei. Bei zwei SP’s haben wir sogar unter 100
Strafpunkten
kassiert, das entspricht einer Abweichung von weniger als einer
Sekunde,
und das ohne Twinmaster und mit diesem Auto, das macht doch ein wenig
stolz und Hoffnung auf mehr. Wegen einiger verpatzter (siehe oben) oder
aufgrund
des Autos nicht schaffbaren SP’s ist unser Zwischenergebnis nach dem
ersten Tag Platz 154, naja. Ein kurzes Abendessen im Zelt und dann ab
ins
Bett, morgen wartet der Marathon auf uns.
Um sieben Uhr startet das erste Auto. Wir müssen noch die diversen
Befindlichkeiten unseres Autos checken, Flüssigkeiten nachfüllen,
Sichtkontrolle der Aggregate, etc. Um 8:22 ist unser Start. Schon ein
wenig
routinierter als gestern gehen wir auf die Strecke.
Wir fahren wieder den Solkpass, dieses Mal in umgekehrter Richtung.
Weiter
geht es Murabwärts, kurzer Stop beim Stift Sekkau weiter über
Leoben, den
Praebichl, Weyer nach Steyr. Auf einer SP vor dem Etappenziel Steyr
sehen
wir leider auch die Resultate der beiden Unfälle der Ennstal 2009,
beide
Gott Sie Dank ohne Verletzungen. Die beiden Autos, ein Aston Martin
DB6,
sowie ein 911er S Targa sind allerdings Schrott. Ein unachtsamer
Verkehrsteilnehmer, der den Nachrang missachtet hatte, sowie Rollsplitt
und
in weiterer Folge ein Brückenpfeiler aus Beton waren die Ursachen.
Die betreffende SP wird in der Folge annulliert, genau wie die letzte
für
diesen Tag geplante über die Postalm, die wegen Unwetter abgesagt wird.
Bei den bergauf SP’s hatten wir wie gestern keine wirkliche Chance den
Schnitt von 50 km/h zu schaffen, dafür gelingt uns dies bei jenen in
der
Ebene oder bergab schon ganz gut. Weitere SP’s mit Ergebnissen unter
100
Punkten kommen heute dazu.
Nach Steyr geht es weiter über den Phyrnpass, Bad Aussee nach Bad
Ischl,
wo wir vom Regen erwischt werden und nun sehen, warum die SP über die
Postalm abgesagt wurde: ein vorbeigezogener Sturm. Die Etappe über die
Postalm ist hingegen wieder befahrbar. In all den Etappenzielen in den
oben genannten Städten werden wir von einer begeisterten Menge
empfangen.
Die Postalm ist die letzte Etappe auf diesem Marathon heute. Die
Strasse
windet sich noch ein letztes Mal Kehre um Kehre bergauf. Die Automatik
im
ersten Gang gesperrt, werden unsere über 2 Tonnen Lebendgewicht von
unserem Motor tapfer nach oben gezogen, während wir von vielen
leichteren
und schnelleren Kollegen in den Bergaufpassagen regelrecht verblasen
werden. Das landschaftliche Erlebnis ist trotzdem unbeschreiblich, mit
unserer Limousine sehr bequem zugänglich gemacht, vielleicht doch das
perfekte Rallyeauto?
Wir nähern uns Schladming, es dämmert bereits wieder, halb neun. Die
größte Menschenmenge in diesen Tagen bereitet uns einen gewaltigen
Empfang. Walter Zipser, der Moderator zitiert bereits zum wiederholten
Male den Originalzustand unseres Autos und dass wir ihn bitte nie
lackieren
lassen sollten. Der von Walter am Dach entdeckte ‚ Original Vogeldreck
aus
dem 68er Jahr’ wird zum running gag.
Platz 109 am zweiten Tag, damit in der Gesamtwertung auf Platz 134
verbessert, schon besser, in der haetti wari Wertung haben wir uns
damit
schon einen Platz unter den Top 100 ausgerechnet...
Überglücklich den 2. Tag der Ennstal unbeschadet überstanden zu haben -
immerhin gehörte eines der beiden Unfallfahrzeugen Freunden von uns,
denen der Schock noch tief in den Knochen steckte - begeben wir uns zum
Abendempfang im Gasthaus zur Post in Schladming. Es gibt viel zu
erzählen
zwischen den Teilnehmern; jeder berichtet über die eine verpasste SP
hier
oder über ein anderes Erlebnis da. Eigentlich möchte man sich mit Allen
unterhalten und austauschen aber dafür ist der Abend leider viel
zu kurz.
Am letzten Tag, Samstag können wir uns ein wenig ausschlafen, um 10:00
sollen wir unsere Autos an den Start bringen. Leider ist über Nacht
eine
Schlechtwetterfront über das Ennstal hereingezogen - 4 Grad und
Regen!!!
Um 13 Uhr beginnt die Rennwagenparade, danach Start zum Schlusspunkt
der
Ennstal 2009: der Stadt Grand Prix von Groebming: 3 SP’s auf knapp über
einem km. Mit netten Kollegen verbringen wir die Zeit bis zum Start.
Auf
Grund der schlechten Witterungsverhältnisse werden die drei Sollzeiten
nach oben korrigiert, es gibt also auch für uns keinerlei Probleme mit
dem Erreichen der Sollzeiten. Wir schaffen alle drei SP’s unter je 100
Punkten, eine sogar mit nur 5 Punkten, unser besonderer Stolz.
Am Ende sind wir am letzten Tag auf Platz 63 gelandet, und können uns
noch auf Gesamtrang
118 verbessern, wir sind zufrieden, sehen aber für das nächste Jahr
natürlich ganz objektiv noch Verbesserungspotential. Den
Nachmittag/Abend
verbringen wir mit Alice/Wolfgang/David und Raphael-Wolfgang, die uns
hier besucht haben.
Samstagabend ist die ‚Night of Champions’ im Festzelt mit
Siegerehrungen
in vielen Disziplinen, leider ohne die des schwersten und mit den
meisten
Mitfahrenden Autos, da hätten wir sicher gute Chancen auf einen Pokal
gehabt. Wir lernen noch sehr nette Kollegen kennen und der Abend dauert
noch recht lange....
Als Schluss Ressume gilt uns nur zu sagen: eine einmalige Veranstaltung
in
einer wunderbaren Landschaft, eine in dieser Dichte in Europa sicher
selten
anzutreffenden Ansammlung von hochkarätigen Oldtimern (inklusiver
einiger
Autos aus Werksmuseen), sowie natürlich am wichtigsten: vielen sehr
netten
Menschen, mit denen wir viele unvergessliche Stunden erleben durften.
Für uns wird dieser Termin für das nächste Jahr schon jetzt fix
eingetragen, wir kommen wieder, nächstes Jahr aber mit einem
schnelleren
Auto, wir wollen nicht nur in der haetti wari Wertung unter die Top
100.
Lg Isabella & Christian
PS: Nachfolgend noch ein nicht ganz Ernst zu nehmendes Zitat von zwei
sehr
netten Kolleginnen, die mit ihrem Jaguar leider mehr Probleme hatten:
Gott
schütze vor Regen und Wind und Autos, die aus England sind.
Hier noch ein paar
Bilder/Eindrücke der Ennstal 2009
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