INTERNAT. JAGUAR SPARES-DAY 2010
   

02-02-12

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Kurzbericht des JDOST vom Besuch des JEC Spares-Day am 28.03.2010

Erzählt aus der Sicht unseres Martin S.

Paradies in Öl

Oder aber: Eine Pilgerreise zum Jaguar Spares Day im Stoneleigh Park. (Ja, es war genau so, wie es hier klingt.)

 Wie erklärt man einem Jaguarschrauber den Spares Day?

Am besten so: Paradiesisch dichte Aneinanderreihung von Ersatzteilen, gebraucht, NOS (New old stock) und NNS (New new stock), teils sauber angerichtet, teils in loser Schüttung und im eigenen Ölbad, strikt einschlägiges Themengebiet mit Jaguar im Epizentrum, alles unter Dach und damit immun gegen von oben kommende Großwetterlagen, weil wie schaut denn das aus, wenn das Paradies geflutet oder mit Plastikplanen zugedeckt wird. (Nein, es war nicht kalt. Bei so viel Aufregung friert man nicht, auch wenn der Frühling draußen noch ein wenig unentschlossen ist.) Dass an der Pforte zum Paradies 9,– Pfund zu entrichten waren und diese Pforte aus einem Backsteinhäuschen bestand, ist ohne biblisches Äquivalent, aber wir wollen das gar nicht zerreden: So fröhlich hat noch kaum jemand 9,– Pfund bezahlt wie alle Besucher des Jaguar Spares Day. Man sollte hier vielleicht erwähnen, dass der Flohmarkt nämlich riesig ist. Wer die Sache echt ernst nimmt (also wir alle), kommt mit sechs Stunden Öffnungszeit locker nicht aus. Auf österreichische Maßeinheiten umgerechnet: Wer sich die Grundfläche dreier Hallen der Tullner Oldtimermesse mit Jaguarteilen gefüllt vorstellt, liegt ungefähr richtig. Das Teileangebot war bunt, aber auch nicht so bunt, dass rote Kopfstützen für den XJ6 Serie 1 drin vorgekommen wären (dieser Halbsatz ist völlig uninteressant, aber für mich therapeutisch wichtig), vertreten waren Händler wie Privatanbieter, und in einer weiteren Halle gab’s einige komplette Autos. Die Gewichtung, indes, war unterschiedlich: Besitzer von E-Type, XK 120 bis 150 und MkII hätten vermutlich zwei Tage lang wühlen können, ein XJ6 wird eher als ältliches Gebrauchtauto geführt, neuere Typen sind nur schütter vertreten, oder ich hab die Teile einfach nicht erkannt. Zu erkennen war allerdings, dass in Großbritannien offensichtlich noch immer in guten Garagen nachwächst, was bei uns schon längst ausgestorben ist, und der niedrige Pfundkurs spielte unserem Eifer in die Hände. Ausgeschlachtete Jaguars gibt’s natürlich dort am häufigsten, wo die ganzen Autos einst das Straßenbild nachhaltig sprenkelten, und da auch der britische Jaguarfahrer nicht zu den Jungspunden zählt, säumen bisweilen mehrere zerlegte Jaguars seinen Weg und seinen Flohmarktstand. Und über all dem schwebt natürlich diese wunderbar entspannte Schrulligkeit, die nur Briten schaffen, diese Freude am Umgang miteinander, wie sie uns zumindest im Großraum Wien schon ein wenig zu entgleiten droht, diese gelassene Disziplin, die niemanden zum Drängeln animiert, und dennoch sind alle flink dort, wo sie hinwollen. (Außer, sie suchen für den frühen XJ6 rote Kopfst..., aber egal.) Natürlich hatten wir wenig Mühe, vorsorglich gewechseltes Geld auszugeben, und auch abseits des niedrigen Pfundkurses war das Preisniveau moderat bis sensationell. Preisbeispiele? Aber gern: Lucas Zusatzscheinwerfer aus den 60er Jahren ab 10,– Pfund, ein nur dezent pickeliger Kühlergrill für den XJ6 Serie 1 um 12,– Pfund, ein schöner MkII-Grill um 30,– Pfund, originale Werstattunterlagen im hinreißend patinierten Ordner ab rund 20,– Pfund, nur die zerlemperte beige Kopfstütze für den frühen XJ6 um 15,– Pfund hat, wie sich später herausstellen wird, familienintern ein leichtes Imageproblem. Fish & Chips kosteten übrigens 6,– Pfund, waren aber deutlich knuspriger als die meisten beim Spares Day angebotenen Blechteile, so soll es sein. Unserer Taktik, knapp vor 16:00 Uhr noch das eine und das andere Teil zum besonders niedrigen bevor-ich’s-jetzt-wieder-einpack-und-mitnehm-soll’s-der-nette-Österreicher-um-kleines-Geld-haben-Preis einzuheimsen, wurden von vielen Briten insofern untergraben, als sie schon um 15:00 Uhr mit dem Einpacken begonnen hatten, was einigermaßen gemein war: Es hilft nämich nix, wenn man dank kleiner, handgekritzelter Skizzen alle interessanten Stände wiederfände, die aber gar nicht mehr da sind.) Das hinderte uns allerdings nicht am Geldausgeben, ich nehme als unverfängliches Beispiel mich selbst – schon vor 16:00 Uhr hatte ich alles Geld und noch 20,– Pfund von Siegberts Vorräten ausgegeben: Ich weckte einfach den Verkäufer der rostfreien Bremsleitungen auf, ließ ihn zu meiner Überraschung noch ein Set für den linksgesteuerten XJ6 Serie 1 finden und kaufte flugs nach einer kleinen Lesung aus der Normal- und der Messepreisliste. (Der Verkäufer blieb dann wach, immerhin hatte er schon den korrekten Zeitpunkt zum Zusammenpack-Frühstart verpasst.) Falls jetzt jemand fragen mag, wie wir das alles im Flugzeug heimgebracht haben: Gar nicht. Aber wir waren drauf vorbereitet, zur Sicherheit zweifach. Wir ließen Möglichkeit eins ungenützt (eine nahe Zweigstelle von Christians Firma versendet) und entschieden uns für Möglichkeit zwei, den Kofferraum eines befreundeten Jaguar-Restaurators aus der Tschechischen Republik. In seinem Rückspiegel wäre ohnedies nur die Plane seines Anhängers sichtbar gewesen. Um 16:00 Uhr ließen wir uns dann alle, versonnen grinsend, im Rautekgriff bergen, in unseren Leihautos von den vorsorglich zurechnungsfähig gebliebenen Chauffeuren Karl und Erich ins Hotel zurückbringen, wo das Gesprächsthema des restlichen Abends, sagen wir, doch noch ein wenig einschlägig war.

England drumherum

Was die Reise zum Spares Day abgesehen vom Spares Day noch zu bieten hatte.

 Die Neigungsgruppe Spares Day wäre gewiss noch größer gewesen, wären ein paar Sachzwänge (Flugreise, Urlaubstage, Geldausgeben für alte Teile ...) weggefallen, so aber waren wir zu elft: Wolfgang, Christian & Isabella, Karl & Claudia, Erich, Siegbert & Denise & Dominique & Pascal und ich. Es würde also auch ein Einkaufsprogramm in der Parallelwelt gänzlich sauberer Boutiquen geben, aber dass es dann ausgerechnet Erich war, der unbedingt neue Schuhe kaufen wollte, hatte eher mit dem Verlust einer Sohle an seinen einzigen Reiseschuhen zu tun. Der Anblick bewog jedenfalls eine Verkäuferin, ihren Feierabend doch noch einmal zu unterbrechen, aber ich greife vor. Wir flogen am Samstag, den 27. März, von Bratislava nach Birmingham, dezimierten dort den Vorrat an Birmingham-Stadtplänen im Flughafen-Tourismusbüro, stellten dann fest, dass die Hoteladresse auch mit Navigationssystem genauso schwer zu finden ist wie vom Reiseführer versprochen, begaben uns anschließend zu fünft nach Bradford upon Avon, um Shakespeares Geburtshaus zu umschleichen, für den Clubabend des Jaguar Enthusiast’s Club war’s dann leider schon etwas zu spät, wie eine Umfrage im Auto ergab. Der Sonntag gehörte dem Spares Day, am Montag war langsames Zurückfinden in die Gegenwart angesagt, wenngleich das Thema nicht wechseln sollte: Immerhin stehen die Fertigungsstraßen des neuen XJ für Besichtigungen offen, was auch am Stolz Jaguars über die neuen Fertigungsmethoden liegt: Die Aluminiumkarosserie wird verklebt und mit einem neuen Verfahren genietet, Funkenregen gibt’s daher nimmer, Lagerräume übrigens auch nicht mehr, weil es wird alles genau zur korrekten Zeit angeliefert und montiert, und welcher Arbeiter wofür verantwortlich ist, wird auch notiert. So wird das Verteilen von Rüffeln leichter, wenn doch einmal was schief gehen sollte, aber es geht praktisch nie was schief: Das Wort Qualität war im Zuge der Führung eines der häufigst gehörten, unser Guide hatte diese Führungen offensichtlich schon sehr oft geleitet, was seiner Freude an der Marke und dem XJ nicht den kleinsten Kratzer zufügen konnte, eher im Gegenteil: Wir vermuteten zart, er könnte vor dem Vortrags einen kleinen Abstecher ins Sauerstoffzelt gemacht haben. Wer an den Duracell-Hasen dachte, lag auch nicht daneben. Wer jetzt annimmt, dass wir anschließend der Werksboutique unsere Aufmerksamkeit gewidmet haben, vermutet ebenso korrekt. Am Nachmittag gab’s dann doch wieder Nostalgisches. Der Jaguar Heritage Trust  hat lediglich den Nachteil, den eifrige Sammler kennen: Es gibt zu wenig Platz, daher ist nur ein Bruchteil der Autos ausgestellt, den Rest darf man in Lagerhallen vermuten, in trockenen, sicheren, immerhin. Allerdings hätten wir den Nachmittag auf rund vier Tage dehnen müssen, wären alle Autos zugänglich gewesen, so blieb auch hier noch ein bisserl Zeit für die Boutique. Und fürs Pub, man muss ja irgendwo das Gesehene besprechen, was wir übrigens locker bis zum Heimflug am nächsten Tag durchhielten.

Der nächste Jaguar Spares Day (International Jaguar Spares Days) findet übrigens am 17. Oktober statt.

Hier noch ein paar Eindrücke von diesem Event

 

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Stand: 30.05.10